Wassertauf «ad posteriorum et podexiorum»

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort «Gautschen» hören? Die meisten können sich darunter kaum etwas vorstellen. Schon gar nicht, dass es darum um eine Taufe geht. Lehrabgänger aus der grafischen Branche werden durch diesen Jahrhunderte alten Brauch in den Gesellenstand aufgenommen. Unverhofft werden die Lehrlinge während der Arbeit von ihren Kollegen und Kolleginnen gepackt und auf einem Gefährt zum Dorfbrunnen geführt. Die ganze Belegschaft folgt dem Wagen, manchmal wird der ganze Zug auch noch von Tambouren begleitet. Lehrlingsausbildner und Vorgesetzte tragen häufig einen Umhang als Erkennungszeichen für die Schwarzkünstler. Beim Brunnen angekommen, beginnt der Gautschmeister mit seiner Rede: «Pakkt an! Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen seine beide Ballen. Der durst’gen Seele gebt ein Sturtzbad obendrauf, das ist dem Sohne Gutenbergs die beste Tauff.» Der Täufling wird demzufolge auf einen nassen Schwamm gesetzt, erhält aus einem Kessel Wasser ein erstes Bad – eben das Sturzbad – und wird dann zum krönenden Abschluss in den Brunnen getaucht. Gelegentlich wird das Gautschen auch als symbolische Massnahme betrachtet, um die schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit abzuwaschen. Meistens werden bei einer Gautschete nicht nur diejenigen nass, die gegautscht werden, sondern auch Vorgesetzte, Mitarbeiter und Zuschauer. Diesen Sommer durften gleich zwei Lehrabgänger vom GfK PrintCenter das kühle Nass geniessen. Laura Meier schloss Ihre vierjährige Ausbildung als Polygrafin ab. Auch Rico Dörig hat sich gefreut, nach vier Jahren als ausgelernter Drucktechnologe in den Kreis der Schwarzkünstler aufgenommen zu werden. Herzlichen Glückwunsch!